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USD/JPY testete gestern erstmals seit fast 40 Jahren die Marke von 164,00. Genauer gesagt wurde das Währungspaar zuletzt im November 1986 in diesem Preisbereich gehandelt. Es ist jedoch bemerkenswert, dass sich USD/JPY damals bereits in einem ausgeprägten Abwärtstrend befand, da sich der globale Devisenmarkt noch immer an die Folgen des Plaza Accord anpasste. Vor Unterzeichnung der Vereinbarung war der US‑Dollar deutlich überbewertet, wobei der Wechselkurs 240–250 Yen pro Dollar erreichte.
Am 22. September 1986 koordinierten die Vereinigten Staaten, Japan, das Vereinigte Königreich, Frankreich und die damalige Bundesrepublik Deutschland Maßnahmen, um den überbewerteten US‑Dollar zu korrigieren, was zu einer starken Aufwertung des Yen führte. Die kurze Rückkehr des Währungspaares an die Marke von 164,00 im Spätherbst 1986 erwies sich lediglich als technische Erholungsbewegung.
Während sich das Paar vor fast vier Jahrzehnten in einem anhaltenden Abwärtstrend befand, stellt sich die Situation im Jahr 2026 genau umgekehrt dar: USD/JPY ist fest in einem starken Aufwärtstrend verankert. Mitte der 1980er Jahre war eine koordinierte Devisenmarktintervention der größten Volkswirtschaften der Welt der wichtigste Treiber der Kursbewegungen. Heute hingegen wird USD/JPY in erster Linie durch den Renditeunterschied zwischen den USA und Japan bestimmt. Die Renditen von US‑Staatsanleihen liegen weiterhin deutlich über denen japanischer Staatsanleihen, was die Nachfrage nach dem US‑Dollar stützt und das Interesse der Anleger an Carry-Trade-Strategien aufrechterhält.
Der heute veröffentlichte Inflationsbericht Japans hat den Druck auf den Yen weiter erhöht, obwohl sich die Gesamtinflationsindikatoren beschleunigt haben.
Den offiziellen Daten zufolge stieg der Kern-Verbraucherpreisindex Japans (ohne frische Lebensmittel) im Juni im Jahresvergleich um 1,6 %, nach einem Anstieg von 1,4 % im Mai. Die Inflation hat sich damit erstmals seit mehreren Monaten wieder beschleunigt, blieb jedoch den fünften Monat in Folge unter dem Inflationsziel der Bank of Japan von 2 %.
Auf den ersten Blick könnte die Rückkehr zu einer höheren Inflationsdynamik die Position derjenigen stärken, die eine weitere Straffung der Geldpolitik befürworten. Es ist jedoch ein wichtiger Unterschied zu beachten. Für die Bank of Japan ist die bloße Beschleunigung des Verbraucherpreisindex weniger wichtig als die Qualität dieser Inflation – also ihre grundlegenden Ursachen, ihre Nachhaltigkeit und ihre Fähigkeit, sich zu einem dauerhaft erhöhten Inflationsdruck zu entwickeln.
Genau an diesem Punkt weist der Bericht Schwächen auf, sodass Verkäufer von USD/JPY aus den stärkeren Gesamtdaten keinen entscheidenden Vorteil ziehen können.
Zum einen bleibt die Inflation in Japan weitgehend importiert. Der Haupttreiber der Beschleunigung des Verbraucherpreisindex im Juni war eine Veränderung des Vergleichsniveaus bei den Energiepreisen nach dem Auslaufen mehrerer staatlicher Förderprogramme. Mit anderen Worten: Der Anstieg der Inflation spiegelte in erster Linie einen technischen Basiseffekt wider und nicht eine stärkere inländische Nachfrage.
Diese Unterscheidung ist für die Bank of Japan von zentraler Bedeutung. Wie oben erwähnt, konzentrieren sich die Entscheidungsträger weniger auf die Inflationsrate an sich als auf die zugrunde liegenden Treiber und die Nachhaltigkeit der Teuerung. Letztlich besteht das Hauptziel der Zentralbank nicht einfach darin, erhöhte Inflationsraten zu bekämpfen, sondern die tief verwurzelte Deflationsmentalität bei japanischen Unternehmen und Verbrauchern zu überwinden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Bank of Japan sicher sein, dass der Preisanstieg von steigenden Löhnen, einer stärkeren Binnennachfrage, stetig zunehmenden Dienstleistungspreisen und gut verankerten langfristigen Inflationserwartungen getragen wird.
Steigen die Preise hingegen vor allem aufgrund eines schwächeren Yen, höherer Rohstoffpreise oder anderer externer Faktoren, ist eine straffere Geldpolitik wahrscheinlich kein wirksames Gegenmittel. Höhere Zinsen werden weder die Ölpreise senken noch den importierten Kostendruck mindern.
Vor diesem Hintergrund verdienen die Schwäche der zugrunde liegenden inländischen Inflation und die Verlangsamung der Dienstleistungsinflation besondere Aufmerksamkeit.
Im Einzelnen verlangsamte sich der sogenannte Kern-Kern-Verbraucherpreisindex (der sowohl frische Lebensmittel als auch Energie ausklammert und als beste Messgröße für die zugrunde liegende inländische Inflation gilt) im Juni im Jahresvergleich auf 1,7 %, nach 1,8 % im Mai.
Dieses Puzzleteil verändert das Gesamtbild deutlich und ermöglicht es der Bank of Japan, weiteren geldpolitischen Straffungsschritten nicht übereilt nachzukommen. Insgesamt zeichnet der Bericht ein gemischtes Bild: Trotz der Beschleunigung des Gesamt-Verbraucherpreisindex lässt der zugrunde liegende inländische Inflationsdruck weiter nach. Mit anderen Worten: Der Inflationsprozess zeigt weiterhin keine Anzeichen dafür, selbsttragend zu werden.
Besondere Beachtung verdient auch die Abschwächung der Dienstleistungsinflation: Der entsprechende Teilindex ging auf 1,2 % im Jahresvergleich zurück. Im Gegensatz zur Güterinflation, die stark auf Wechselkursbewegungen und Importkosten reagiert, ist die Dienstleistungsinflation direkt mit der inländischen Nachfrage und dem Lohnwachstum verknüpft. Trotz der deutlichen Lohnerhöhungen, die im Rahmen des diesjährigen Shunto (den jährlichen Lohnrunden im Frühjahr zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften in Japan) vereinbart wurden, zögern die Unternehmen nach wie vor, die gestiegenen Arbeitskosten an die Verbraucher weiterzugeben. Dies deutet darauf hin, dass der nachhaltige Kreislauf aus Lohnwachstum → höheren Dienstleistungspreisen → stärkeren Inflationserwartungen, den die Bank of Japan als Voraussetzung für weitere Zinserhöhungen ansieht, noch nicht fest etabliert ist.
Folglich kann der Inflationsbericht für den Juni in Japan nicht als „hawkish“ eingestuft werden. Trotz der Beschleunigung des Gesamt-Verbraucherpreisindex deutet die Struktur des Preisanstiegs in erster Linie auf externe Faktoren hin, während die inländische Kerninflation weiterhin zu schwach ist. In der Folge fehlen den Verkäufern von USD/JPY erneut starke fundamentale Argumente. Solange der Renditeabstand zwischen den USA und Japan breit bleibt und die Bank of Japan an ihrem vorsichtigen Kurs festhält, dürfte USD/JPY gut unterstützt bleiben.
Gleichzeitig sollten Trader bedenken, dass das Paar auf außergewöhnlich hohen Niveaus notiert. Long-Positionen bieten sich daher vorzugsweise nach Korrekturrücksetzern an. Die nächstgelegene Widerstandsmarke liegt bei 163,80 und entspricht der oberen Bollinger-Band-Linie im Tageschart (D1).
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