Vor uns liegt wohl die informationsreichste Woche des Monats. Die Zentralbanken der wichtigsten Länder (Federal Reserve, Bank of Japan, Reserve Bank of Australia, Swiss National Bank, Bank of England) halten ihre Juni-Sitzungen ab, und in Großbritannien sowie Japan werden wichtige Inflations- und Wachstumsdaten veröffentlicht. Außerdem könnte sich in den kommenden Tagen die zentrale Frage dieses Monats – und vielleicht sogar des gesamten Jahres – entscheiden: Die USA und Iran könnten ein Abkommen unterzeichnen, das den Konflikt im Nahen Osten beenden und die vollständige Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ermöglichen würde. Die Unsicherheit bleibt bestehen, weshalb sich die Waage sowohl zugunsten des Dollars als auch gegen ihn neigen kann.
Die geopolitische Agenda wird nicht der einzige Treiber des Marktes sein: Trader von Dollar-Paaren, einschließlich EUR/USD, warten gespannt auf die Juni-Sitzung der Fed, die das Debüt des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh sein wird. Zusätzliche Volatilität für das Paar könnte in dieser Woche durch wichtige makroökonomische Veröffentlichungen ausgelöst werden, darunter die deutschen ZEW-Indizes, die US-Einzelhandelsumsätze, der Empire Manufacturing Index sowie der Index der Fertigungsaktivität der Philadelphia Federal Reserve.
In der Hierarchie der fundamentalen Faktoren haben die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran jedoch zweifellos Vorrang. Die Juni-Sitzung der Fed und erst recht die Makrodaten spiegeln lediglich die Folgen des Konflikts im Nahen Osten wider, der möglicherweise in naher Zukunft beigelegt wird. Die Richtung der EUR/USD-Bewegung in der kommenden Woche wird daher in erster Linie von den Perspektiven des „Iran-Dossiers“ abhängen.
Zur Erinnerung: Am Samstag erklärte der Präsident der USA in seinen sozialen Netzwerken, dass am folgenden Tag, also am Sonntag, ein Friedensabkommen unterzeichnet werde. Seinen Worten nach soll unmittelbar danach die Straße von Hormus „für alle offen sein“, und das Abkommen „eine Barriere für Atomwaffen für Teheran“ darstellen. Später fügte er hinzu, dass technische Fragen zur Beseitigung oder Ausfuhr von hochangereichertem Uran aus dem Land in der nächsten Verhandlungsrunde geklärt würden. Gleichzeitig bestätigte der pakistanische Premierminister, der zwischen den Konfliktparteien vermittelt, die Erwartungen Washingtons und erklärte, Islamabad sei bereit, innerhalb von 24 Stunden eine „Online-Zeremonie“ zur Unterzeichnung des Abkommens abzuhalten.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums wies diese Berichte jedoch zurück und erklärte, dass am Sonntag kein Abkommen unterzeichnet werde, wobei er gleichzeitig betonte, dass diese Möglichkeit „in den kommenden Tagen nicht ausgeschlossen werden“ könne. Nach Angaben von CNN hat Teheran noch keine endgültige Entscheidung über das Rahmenabkommen getroffen – dessen politische, rechtliche und technische Aspekte werden weiterhin geprüft.
Derzeit bleiben die Aussichten für ein US-Iran-Abkommen widersprüchlich. Einerseits verbreiten zahlreiche Medien weiterhin ermutigende Signale – so berichtet beispielsweise der israelische Sender i24, dass der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, und der US-Vizepräsident J.D. Vance am Sonntag tatsächlich ein virtuelles Treffen abhalten werden, um ein Memorandum of Understanding zu unterzeichnen. Andererseits waren im Nahen Osten erneut Explosionen zu hören. Vertreter der IDF berichteten, dass die israelische Armee „Hisbollah-Infrastruktur in den südlichen Vororten von Beirut“ angegriffen habe. Ob dieser Vorfall das US-Iran-Abkommen zu Fall bringen wird, bleibt offen.
Die Situation bleibt spannungsgeladen, doch gerade das „Iran-Dossier“ dürfte den mittelfristigen Kurs von EUR/USD maßgeblich bestimmen. Sollten die USA und der Iran – trotz allem – heute oder morgen das „Islamabad Agreement“ unterzeichnen und die Straße von Hormus öffnen, könnte der Dollar angesichts einer steigenden Risikoaffinität deutlich unter Druck geraten. In diesem Fall dürfte das Währungspaar EUR/USD nicht nur innerhalb der 1,16er-Zone Fuß fassen, sondern auch den Widerstandsbereich bei 1,1700 testen (die obere Begrenzung der Kumo-Wolke, die mit dem oberen Bollinger-Band im D1-Zeitrahmen zusammenfällt). Scheitert die Vereinbarung hingegen erneut, bleibt das Paar innerhalb der 1,15er-Zone, in der es die gesamte Vorwoche gehandelt wurde.
Alle übrigen fundamentalen Faktoren werden eine untergeordnete Rolle spielen. Das gilt auch für die Juni-Sitzung der Fed, obwohl es sich um die erste Sitzung unter dem Vorsitz von Kevin Warsh handelt.
Die überwältigende Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass die Zentralbank alle Parameter der Geldpolitik unverändert lassen wird. Entsprechend wird sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das begleitende Statement, den „Dot Plot“ sowie die Kommentare des neuen Fed-Chefs richten.
Die zentrale Frage ist, ob sich der Medianwert für 2026 nach oben verschiebt und damit auf die theoretische Möglichkeit einer Zinserhöhung bis Ende des Jahres hinweist, falls sich der Inflationstrend verschlechtern sollte. Der Anteil der Trader, die an den Futures-Märkten mindestens einen Zinsschritt nach oben bis Dezember einpreisen, hat bereits die Marke von 40 % überschritten. Die Unsicherheit bleibt jedoch bestehen, da die Kerninflation (im Gegensatz zur Gesamtinflation) im Mai nur verhalten gestiegen ist, was es der Zentralbank erlaubt, bei einer Straffung ihres Prognosekurses vorsichtig zu agieren.
Die Märkte werden zudem der Pressekonferenz des neuen Fed-Vorsitzenden besondere Beachtung schenken. Zur Erinnerung: Warsh hatte früher die übermäßige Vorhersehbarkeit der Zentralbankpolitik kritisiert und sich für eine Änderung der Kommunikationsstrategie der Fed ausgesprochen. Nach Ansicht einiger Experten werden unter seiner Führung die Aussagen der Fed weniger detailliert zu künftigen Maßnahmen ausfallen. Dennoch werden Trader Antworten auf viele ihrer „drängenden“ Fragen suchen – insbesondere, wie ernst die Fed die neue Welle der Gesamtinflation nimmt, ob die Zentralbank den aktuellen Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen betrachtet und ob sie die theoretische Möglichkeit einer Zinssenkung noch in diesem Jahr in Betracht zieht.
Angesichts der nach meiner Einschätzung etwas überzogenen Markterwartungen in Bezug auf den „Falken“-Kurs der Fed könnten die tatsächlichen Ergebnisse der Juni-Sitzung Druck auf die US-Währung ausüben.
Wichtige Konjunkturdaten werden im Schatten der Geopolitik und der Federal Reserve bleiben. Den vorläufigen Prognosen zufolge dürften die ZEW-Indizes den Euro unterstützen, da sie eine positive Dynamik widerspiegeln. So wird insbesondere erwartet, dass der Index der Konjunkturerwartungen in Deutschland im Juni auf -5,5 Punkte ansteigt, nach -10,2 Punkten im Mai. Der entsprechende Index für die Eurozone soll von -9,1 auf -7,6 Punkte steigen.
Für die US-Einzelhandelsumsätze (der entsprechende Bericht wird am 17. Juni veröffentlicht) wird im Mai im Vergleich zum Vormonat mit einem unveränderten Wachstumstempo von 0,5 % gerechnet. Ohne Autoabsatz wird ebenfalls ein Anstieg um 0,5 % erwartet, nach einem Plus von 0,7 % im April.
Der Empire Manufacturing Index, der auf einer Umfrage unter Produzenten im Bezirk der New York Fed basiert, dürfte im Juni auf 13,2 Punkte sinken und damit einen zweimonatigen Aufwärtstrend unterbrechen. Der entsprechende Fertigungsindex der Philadelphia Fed wird hingegen voraussichtlich eine positive Entwicklung zeigen und in diesem Monat auf 11,4 Punkte steigen, nach einem vorherigen Wert von -0,4.
Die Konjunkturdaten werden jedoch eher eine ergänzende Rolle spielen. Der Markt wird sich mit Sicherheit auf die geopolitische Agenda und die Entwicklung im „Iran-Dossier“ konzentrieren. Gerade die Geopolitik wird die allgemeine Risikoaversion beziehungsweise Risikoaffinität sowie die Richtung der Bewegungen bei Dollar-Anlagen bestimmen. Kommt das Islamabad Agreement zustande, wird sich das Währungspaar EUR/USD innerhalb der 1,16er-Zone stabilisieren und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Widerstandsbereich bei 1,1700 nähern. Anhaltende geopolitische Unsicherheit oder ein Scheitern der Vereinbarungen werden dagegen die Nachfrage nach sicheren Häfen (einschließlich des Dollars) stützen, das Paar innerhalb der 1,15er-Zone halten und das Risiko einer erneuten Abwärtsbewegung bewahren.
Daher richtet sich nun alle Aufmerksamkeit auf die Verhandlungsschiene.
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