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Warum stützen höhere Ölpreise und der US‑Status als Nettoölexporteur den Dollar gegenüber dem Euro?
Höhere Ölpreise und die Rolle der Vereinigten Staaten als Nettoölexporteur stärken den Dollar im Verhältnis zum Euro. Das liegt daran, dass sich die Handelsbedingungen für die USA verbessern, sich Preise nur langsam anpassen und die Zentralbanken an ihren Inflationszielen festhalten. Dadurch muss der nominale EUR/USD‑Wechselkurs den Großteil der Anpassung leisten. Gleichzeitig bleibt Raum für eine Umkehr, falls die Ölpreise wieder fallen.
Die Vereinigten Staaten sind inzwischen Nettoexporteur von Öl, während der Euroraum weiterhin Nettoimporteur bleibt. Steigen die Ölpreise, verschafft dies – bei sonst gleichen Bedingungen – den USA einen Vorteil im Außenhandel: Die Exportpreise der Amerikaner steigen schneller als die Preise im Euroraum.
Wenn der Preis der US‑Ölexporte im Vergleich zu den Preisen im Euroraum stark anzieht, steigt das verfügbare Einkommen der Amerikaner deutlich, weil Europäer mehr für das lebenswichtige, aus den Vereinigten Staaten importierte Öl zahlen müssen.
Die reale Wechselkursentwicklung wird somit von zwei Komponenten bestimmt:
Theoretisch könnte die Anpassung über beide Kanäle erfolgen. In den meisten westlichen Ländern verfolgen die Zentralbanken jedoch ein festes Inflationsziel. Dadurch verlaufen Preisanpassungen sehr langsam. Folglich trägt der nominale Wechselkurs den Hauptteil der Anpassung und führt das System zurück in Richtung Gleichgewicht. Das impliziert, dass der nominale Wechselkurs wahrscheinlich steigen wird.
Der Terms‑of‑Trade‑Effekt ist vermutlich der Hauptgrund für die deutliche Aufwertung des US‑Dollars. Die Tatsache, dass die USA inzwischen Nettoexporteur von Öl sind, bedeutet indirekt auch einen besseren Schutz energieintensiver Industrien in den USA im Vergleich zu Europa. Daher wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in den USA widerstandsfähiger ausfällt.
Wechselkurse passen sich schneller an als Preise und haben die veränderten Handelsdynamiken bereits eingepreist. Sollte der Konflikt jedoch früher als erwartet enden und der Ölpreisanstieg sich als vorübergehend erweisen, könnte sich der Effekt rasch umkehren.
Mit anderen Worten: Fallen die Ölpreise, könnte das Währungspaar EUR/USD zügig auf frühere Niveaus zurückkehren und diese möglicherweise sogar übertreffen.
Derzeit deutet das fundamentale Umfeld jedoch auf weiteres Abwärtspotenzial für das Paar hin. Aus technischer Sicht verharren die Oszillatoren im negativen Bereich, was den Vorteil der Bären am Markt bestätigt. Gleichzeitig ist der Relative Strength Index (RSI) in den überverkauften Bereich gerutscht, was auf die Möglichkeit einer gewissen Konsolidierung hindeutet.
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