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Die alte Regel, dass das Vertauschen von Komponenten die Summe nicht verändert, gilt für US-Aktien nicht mehr. Der S&P 500 schloss im Minus, während der Dow Jones zulegte, und der Russell 2000 übertraf den Nasdaq um 2,2 Prozentpunkte – die größte Differenz seit einem Jahr. Anleger überdenken ihre Favoritenliste und rotieren aus hoch bewerteten Technologiewerten in Small-Cap-Aktien.
Ist das ein Paradox? Nicht wirklich. Der S&P 500 hat sich von seinen Kriegstiefs aus bereits um fast 20 % erholt – gestützt durch die Erwartung einer dauerhaften Deeskalation im Nahen Osten, anhaltendes Interesse an KI-bezogenen Technologietrades, solide Unternehmensgewinne und die Widerstandskraft der US-Wirtschaft. Goldman Sachs hat die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession von 25 % auf 15 % gesenkt und verweist auf niedrigere Energiepreise und einen sich verbessernden Arbeitsmarkt. Bemerkenswert ist, dass diese Schätzung nun unter dem Vorkriegsniveau von 20 % liegt. Das impliziert, dass der Konflikt die Märkte stärker verunsichert hat, als seine Deeskalation sie wieder beruhigt hat.
Je höher der S&P 500 allerdings steigt, desto nervöser werden die Anleger. Gemischte Schlagzeilen aus dem Nahen Osten, Sorgen über schwächer als erwartete Tech-Unternehmen und die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen durch die Fed halten Käufer an der Seitenlinie.
Wahrscheinlichkeitsdynamik für drei Zinserhöhungen der Fed
Die USA haben Iran eine 60-tägige Lizenz erteilt, um Öl auf dem internationalen Markt gegen US-Dollar zu verkaufen und Teheran damit eine wirtschaftliche Lebensader verschafft. Diese Entwicklung drückte die Ölpreise erneut nach unten und verringerte die Wahrscheinlichkeit weiterer Straffungen durch die Fed. Dennoch erwartet Bank of America in diesem Jahr drei Anhebungen des Federal-Funds-Satzes und verweist dabei auf robuste Makrodaten sowie eine zunehmend restriktive Kommunikation der Zentralbank.
Anleger zeigen sich zudem zunehmend besorgt über die Nachhaltigkeit der KI-bezogenen Aktienrally. Die Märkte fürchten, dass Hyperscaler auf ihre massiven KI-Investitionen extrem niedrige Renditen erzielen.
Der S&P 500 geriet außerdem durch einen Ausverkauf bei SpaceX unter Druck. Die Anteile von Elon Musks Unternehmen fielen die dritte Sitzung in Folge und liegen rund 23 % unter dem Juni-Hoch. Das Unternehmen emittierte erstmals in seiner Geschichte Anleihen und nutzte die Erlöse zum Schuldenabbau. Trotz des Ausverkaufs notiert das Papier weiterhin über dem IPO-Preis.
Während der S&P 500 also die Deeskalation im Nahen Osten feiert, fürchtet er nun zwei andere Fronten – überhypte KI und eine entschlossenere Fed. Sollten sich beide Befürchtungen als unbegründet erweisen, dürfte die Rally weitergehen. Sollte sich jedoch auch nur eine davon bewahrheiten, könnte sich die Rotation in den Russell 2000 als bloße Atempause vor einer deutlich ausgeprägteren Korrektur erweisen.
Technisch zeigt der Tageschart des S&P 500 eine bearishe Engulfing-Kerze: Ihr Körper überdeckt vollständig die vorherige Inside-Bar und signalisiert damit Stärke der Bären. Ein Bruch des Unterstützungsniveaus bei 7.450 würde das Risiko einer Korrektur erhöhen und einen Ansatzpunkt für Verkäufe liefern – allerdings sollte man es damit nicht übertreiben. Im Kontext eines Aufwärtstrends wären Erholungen von den Unterstützungsniveaus bei 7.420, 7.315 und 7.300 Gelegenheiten, in Long-Positionen zurückzukehren.
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