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Der Ölpreis hat sich nach dem gestrigen Einbruch leicht erholt. Brent ist wieder auf über 98 US-Dollar pro Barrel gestiegen, während WTI sich nahe 92 US-Dollar bewegt. Auslöser dieser Entwicklung waren neue US-Militärschläge auf Raketenabschussrampen und Schiffe in der Straße von Hormus – der Markt deutete diese Aktionen als Zeichen einer anhaltenden Eskalation und preiste einen Teil der geopolitischen Prämie wieder ein, die am Montag verloren gegangen war.
Die Verhandlungen laufen weiter, doch der Zeitplan hat sich erneut verschoben. Rubio erklärte in Neu-Delhi, dass es „noch ein paar Tage“ dauern werde, um die Formulierungen des Abkommens endgültig festzulegen. Die Grundzüge einer möglichen Vereinbarung bleiben unverändert: eine Verlängerung der Feuerpause um rund zwei Monate, die Aufhebung der Blockade durch die USA und die Wiedereröffnung der Meerenge durch Iran. Der Knackpunkt bleibt Teherans Forderung, die Schifffahrt durch diese strategisch wichtige Wasserstraße zu regulieren – ein Anliegen, das für Washington, die arabischen Staaten und Europa völlig inakzeptabel ist. Unklar ist zudem, was anschließend mit Irans angereichertem Uran geschieht und wie sich der weitere Verlauf des iranischen Atomprogramms entwickeln wird.
Bemerkenswert ist, dass der Markt bereits mehrfach Versprechen über bevorstehende Durchbrüche gehört hat – ohne dass sich etwas getan hätte. Die jüngsten Angriffe der USA zeigen deutlich, dass es verfrüht ist, von einem Friedensabkommen zu sprechen, geschweige denn von dessen Einhaltung. Beide Seiten haben in den vergangenen Monaten wiederholt Erfolge bei den Verhandlungen oder eine Wiedereröffnung der Meerenge verkündet – und jedes Mal blieb es ohne Folgen. Hinzu kommt ein weiterer erschwerender Faktor: Israel hat eine Intensivierung der Angriffe auf die Hisbollah im Libanon angekündigt, während Teheran darauf beharrt, dass ein Ende der Kampfhandlungen dort eine Voraussetzung für jede Vereinbarung mit den USA ist. Damit weitet sich der Verhandlungsrahmen erheblich aus.
Unterdessen vergrößert sich das Angebotsdefizit. Nach Angaben der IEA gehen die weltweiten Energiereserven in Rekordtempo zurück – sowohl die kommerziellen Bestände als auch die strategischen Reserven in den USA schrumpfen in beispielloser Geschwindigkeit. Das bedeutet, dass selbst bei einer Einigung die physische Wiederherstellung der Lieferungen Zeit in Anspruch nehmen wird und die Preise nicht schlagartig einbrechen dürften.
Auch für die Zentralbanken bleibt die Lage äußerst unbequem. Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der European Central Bank, erklärte gestern, die Notenbank müsse die Zinsen im kommenden Monat anheben, selbst im Falle einer raschen Lösung des Konflikts – der inflationäre Schock habe bereits stattgefunden, und seine Folgen ließen sich nicht durch ein einziges diplomatisches Dokument aus der Welt schaffen.
Was das aktuelle technische Bild für Öl angeht, müssen die Käufer zunächst den nächsten Widerstand bei 92,50 $ überwinden. Dadurch würde sich das Ziel bei 100,40 $ eröffnen, wobei ein Ausbruch darüber hinaus sich als recht schwierig erweisen dürfte. Das entfernteste Ziel liegt bei 106,80 $. Kommt es hingegen zu einem Rückgang des Ölpreises, werden die Bären versuchen, bei 86,50 $ die Kontrolle zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Long-Positionen deutlich unter Druck setzen und den Ölpreis möglicherweise bis auf das Tief bei 81,40 $ drücken, mit der Perspektive eines weiteren Rückgangs bis auf 74,85 $.
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